Demokratie – Heterogenität – Staatsstreich
Das Homogenität-Versprechen des Staatsstreichs
Ein Schlaglicht auf drei Mosse-Lectures zum Semesterthema Staatsstreiche. Zwischen Putsch und Verfassungscoup
Seit dem 28. Februar 2026 hat das Thema Staatsstreich eine weitere Facette erhalten. In der unterkomplexen Logik des Kriegsministers Pete Hegeseth und seines Präsidenten Donald Trump versprach die Exekution der obersten geistlichen Autorität des Iran, Ayatollah Ali Chamenei und seines Führungskreises, einen Staatsstreich, nach dem sich das iranische Volk selbst befreien sollte. Die Logik ist schon deshalb unterkomplex, weil sie auf beiden Seiten als eine Gottlogik inszeniert wurde. Die Theokratie des Iran und ihrer Islamischen Revolutionsgarden legitimiert sich durch eine Stellvertreterschaft des Monotheismus auf Erden. Wenig später ließ sich Donald Trump im Oval Office, organisiert durch sein White House Faith Office, von evangelikalen Kirchen-Unternehmer*innen segnen, worauf am heftigsten der katholische Papst Leo XIV. in Rom reagierte.

Im Rückblick gewinnen die drei Mosse-Lectures des Wintersemesters 25/26 eine stärkere Brisanz. Während Mouhamadou El Hady Ba in seiner Lecture Decolonial Coups d’État? demokratische Regime in West-Afrika wegen ihrer kolonialen Prägung durch Frankreich zugunsten einer alten afrikanischen Form des Staatsstreichs in Frage stellte, entfaltete Kim Lane Scheppele mit Counter-Constitutions: On Being the Object of a Coup ein breites Panorama von Staatsstreichen und der Trump II-Administration, ohne dass sie sich einen baldigen Krieg mit dem Iran des FIFA-Friedenspreisträgers hätte vorstellen können. Scheppele hob besonders hervor, dass die amerikanische Verfassung nicht so detailliert ausgearbeitet sei wie das Grundgesetz. Alan Pauls schließlich erinnerte sich in The Coup Factor an seine Wahrnehmung des Staatsstreichs der Militärjunta im März 1976 in Buenos Aires, Argentinien, als er sechszehn Jahre alt war. Gibt es ein gemeinsames Versprechen der Staatsstreiche? Verspricht der Staatsstreich nicht immer Homogenität?

Staatsstreich als Glaubenskrieg gegen einen souveränen Staat ist eine neue Variante, die erst einmal durch die Trump-Administration mit dem verfassungswidrigen White House Faith Office konstruiert werden musste.[1] Sollen denn nun alle Iraner*innen zum evangelikalen Christentum bekehrt werden oder von selbst konvertieren? Evangelikale Prediger und Predigerinnen legen das zumindest im Oval Office als Kriegsziel nah. Zu den aktuellen Nachrichten gehört allerdings auch, dass der Oberste Richter John J. Roberts Jr. als von George W. Bush berufener konservativer Richter am Supreme Court die Begründung für die Entscheidung von 6 zu 3 Stimmen geschrieben hat, dass Trump mit den Zollentscheidungen seine „authority“ überschritten habe.[2] Wird sich Trump also auf „seine“ Mehrheit im Supreme Court verlassen können? Dass er darauf spekuliert hatte, dass der mehrheitlich konservative Supreme Court ihm grünes Licht geben werde, bestätigt seine emotionale Reaktion darauf und die unflätige Beschimpfung der Richter.

Die Nachträglichkeit der wissenschaftlichen Analysen und daraus abgeleiteter Prognosen nimmt insbesondere unter der Trump II-Administration kuriose Züge an, weil nichts mehr kalkulierbar erscheint. Trump und die Prediger*innen seines White House Faith Office sind noch unberechenbarer als die Glaubenskongregation im Vatikan. Die Gottlogik artikuliert sich in reiner Willkür. Gott muss und kann man nicht verstehen. Er ist unberechenbar. Das Unvorstellbare erscheint ihm gerade wohlfeil genug. Der „Gesalbte“ im Oval Office und das Ayatollah-Regime im Bunker artikulieren Allmacht. Die überwiegende Zahl der iranischen Fußballerinnen fliegt dann von Australien brav in die Islamische Republik Iran zurück. So viel hat schon mal der beeindruckende Erstschlag auf das Ayatollah-Regime bewirkt.

Der von der Trump-Partei der Republikaner angestrebte Systemwechsel gegen die Demokratie findet erstaunlicherweise ein Echo im de-kolonialen Denken und Argumentieren von Mouhamadou El Hady Ba. Die demokratisch gewählten Eliten im frankophonen West-Afrika wie Mali, Senegal oder Guinea-Bissau analysiert Ba als korrupt und vom Kolonialstaat Frankreich abhängig. Das markiert Ba als anti-afrikanisch und sieht die Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS, die aus der französischen Kolonie West-Afrika hervorgegangen ist, als ein koloniales, eurozentrisches Relikt. Insgesamt gehören 12 west-afrikanische Staaten zu ECOWAS. Eindrücklich weist Ba daraufhin, dass zu den Eliten dieser Staaten Familien gehörten, die am Sklavenhandel beteiligt gewesen seien. Ba ist Associate Professor of Philosophy an der Cheikh Anta Diop University of Dakar in der Républic du Sénégal. Wie also denkt Ba die Coups d’Etat? Seine Mosse-Lecture ist auf dem YouTube-Kanal nachzuhören und zu sehen.[3]

Mouhamadou El Hady Ba bezieht sich in seiner de-kolonialen Argumentation auf „zwei revolutionäre vorkoloniale Momente“ und fragt, ob und wann ein Coup d’État im Unterschied zu einem Militärputsch legitim sein könnte. Als Beispiele führt er die „Gründung des Mali-Reiches und die Fouta-Revolution unter der Führung von Thierno Souleyman Baal“ an. Das Mali-Reich existierte von 1226 bis 1610 und der islamische Gelehrte und Revolutionär Thierno Souleyman Baal lebte im 18. Jahrhundert bis 1775. Ba will damit die Illegitimität der Juntas der Konföderation der Sahelstaaten (ASS) – Burkina Faso, Mali, Niger – vor dem Hintergrund ihrer endogenen politischen Traditionen untermauern. Die ASS war 2023 gegründet worden, nachdem in den drei Ländern zwischen 2020 und 2023 Militärputsche stattgefunden hatten. Nach Ba sollte eine „tiefgreifende dekoloniale Arbeit dieselben Komponenten haben (…), die auch im Jägerschwur und in der Fouta-Revolution zum Ausdruck kommen: 1) ein kollektives Bestreben die Realität zu verändern, 2) ein Fokus auf Bildung und 3) die Förderung von Verantwortung nicht nur auf kollektiver, sondern auch auf persönlicher Ebene.“[4]

Der De-Kolonialismus bzw. die „de-koloniale Arbeit“ Bas‘ richtet sich gegen zwei Akteure im frankophonen West-Afrika, ECOWAS und ASS, denen er eine Alternative entgegenzustellen sucht: den Jägerschwur, der zur Gründung des Mali-Reiches führte, und die „Fouta-Revolution“.[5] Beide Beispiele für den de-kolonialen Coup d’État versprechen indessen homogene Machtstrukturen. Im Kurzfilm Les âmes du Fouta von Alpha Diallo, Senegal, war ebenfalls eine Art Revolution durch eine Frau und Mutter inszeniert worden, durch die „die Realität … veränder(t)“ wurde.[6] Die Erzählung des Kurzfilms lässt sich als eine „dekoloniale Arbeit“ verstehen. Bei Ba geht es indessen mehr um die Allianzen von ECOWAS und ASS, die in afrikanischer Hinsicht diskreditiert sind. ECOWAS ist für ihn durch die kolonial-demokratische Ausrichtung schwierig. ASS wird von autokratischen Systemen aus Staaten wie Russland und China unterstützt. Ba argumentiert philosophisch mit Hegel, dass das Reale die Realität sei. Im Gespräch mit Joseph Vogl wird deutlicher, dass sich Ba mit dem Coup d‘État gegen den Eurozentrismus zugunsten einer Kreolisierung der politischen Theorie wendet.

In ihrer Analyse weist Kim Schepple eröffnend u. a. daraufhin, dass zwischen 2013 und 2023 der traditionelle Coup als Putsch in Afrika als Folge eines neuen Kalten Krieges (a new cold war) zurückgekehrt sei. Seit 1991 seien allerdings die legalen Staatsstreiche durch Wahlen häufiger geworden. Dadurch werde eine demokratische Fassade gewahrt. Unmittelbar nach seiner Inauguration am 20. Januar 2025 habe Trump ein derartiges Chaos geschaffen, dass das Normale einfach verschwunden sei. Trotzdem versuchten wir weiterhin einen Sinn herauszufinden, konstatiert Schepple. Anders gesagt: das Chaos auf sämtlichen politischen Ebenen ist Programm, was u.a. der deutsche Bundeskanzler, Friedrich Merz hätte wissen müssen und wissen können, als er sich die Schenkel im Oval Office klopfen ließ und eine zustimmende Miene aufsetzte. Es geht im Krieg gegen den Iran keinesfalls darum, ein demokratisches System zu fördern oder zu installieren. Stattdessen schrauben Trump und seine Adepten Drehung für Drehung weiter am Chaos in der Welt. Auf steigende Ölpreise folgt die Lockerung der Sanktionen gegen Lieferungen von russischem Öl auf dem Weltmarkt, womit Russland seinen Krieg in der Ukraine finanzieren kann. Nichtsdestotrotz folge Trump einem Drehbuch, das durch Chaos regionale und globale Regeln außer Kraft setzt.

Generiert das Chaos in den Vereinigten Staaten einen Machtzuwachs? Um die Logik der Chaosstiftung zu verstehen, führt Schepple die Migrationspolitik an, durch die der Datenschutz gegenüber dem Staat quasi beseitigt worden sei. Weil die illegale Migration vermeintlich Chaos und Unsicherheit schaffe, wird mit milizartigen Einsätzen von ICE Angst geschürt. Als die Proteste gegen eine unausgebildete Pseudo-Migrationspolizei signifikante Ausmaße erreichten, wird mit Israel ein Krieg vom Zaun gebrochen, der die globale Wirtschaft und die friedlichen Industrien wie internationale Drehkreuze des Flugverkehrs der Golfstaaten zeitwiese zum Erliegen bringt und schwer schädigt. Die Antwort auf Chaos ist mehr Chaos als Ablenkung, weil dann noch mehr auf den Präsidenten in Washington geschaut wird. Slavoj Žižek konstatierte bereits am 11. Februar 2026: „If there is a political leader who again and again demonstrates that he is full of shit, it is Donald Trump.”[7] Er empfiehlt eine „Colonoscopy“, also eine metonymische Darmspiegelung. „Shit“ wäre das, was Chaos als Gesetzlosigkeit anrichtet.

Žižek identifiziert vor allem die mangelnde Autorität Trumps als Motor für die fortlaufende Produktion von „shit“: „he is an authoritarian without authority. He has a lot of power and he knows how to use it, brutally violating numerous unwritten (and now more and more even written) rules of social and political life, but he lacks authority, the silent confidence which certain individuals emanate and which confers a special non-violent power on their acts”.[8] Die unflätige Beschimpfung der obersten Richter der USA passt exakt zu dieser Analyse. Denn sie hatten Trump per höchstem Richterspruch beschieden, dass er keine „authority“ über die Zollentscheidung habe. Obwohl Trump sicher auch persönlich davon ausging, dass er die Autorität habe, wurde sie ihm abgesprochen. Plötzlich stand der King nackt da, um sogleich neue Zölle anzukündigen. Während Hegseth und Vance als potentielle Nachfolger wie Auguren über den immer neuen Haufen sitzen und sie zu lesen versuchen, muss aus Mangel an Autorität ständig ein neuer ausgeschieden werden.

Kim Schepple geht in ihrer Mosse-Lecture davon aus, dass Trump mit der geskripteten Produktion von Chaos/shit als politische Agenda an einer „Counter-Constitution“, Gegen-Verfassung arbeite. Aus den unterschiedlichen Forschungsansätzen von Schepple und Žižek lässt sich doch erkennen, dass es mit dem Chaos/shit um die entscheidende Frage geht, ob Trump und seine Adepten die Autorität generieren können, eine Gegen-Verfassung auszuformulieren und dauerhaft zu installieren. Eines der entscheidenden Argumente von Schepple ist, dass der Supreme Court mehrheitlich konservativ besetzt ist und die Richter so an einer Gegen-Verfassung mitarbeiten könnten. Nach der fast schon marginalen Entscheidung zu den Zöllen kann sich die Trump II-Administration darüber allerdings nicht mehr sicher sein. Vermutlich werden sich die Richter bei einer deutlichen 6 zu 3-Entscheidung und den erfolgten Beschimpfungen und Drohung nicht mehr zu einem Werkzeug eines unkalkulierbaren Individuums machen lassen. Schepples Prognose zu den Wahlen im Herbst war recht pessimistisch. Doch „shit“ stinkt irgendwann selbst den eigenen Gefolgsleuten.

Ist die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika zu schwach, um sich gegen Trump wehren zu können? Die höchstrichterliche Rechtsprechung des Supreme Courts und die Elastizität der Verfassung nach angelsächsischer Rechtstradition unterscheiden sich von dem positiven Recht Artikel für Artikel der deutschen Rechtstradition. Schepple argumentiert, dass die „counter-constitution“ mit einer Vision des „small state“ vor 50 Jahren von den Konservativen initiiert worden sei. Deshalb könne Trump sich auf eine jahrzehntealte Infrastruktur stützen und den Wegen ausländischer Autokraten folgen. Für die Verfassungsänderung könne er sich auf mehrheitlich konservative Entscheidungen des Supreme Courts verlassen. Kim Schepple zeichnet ein durchaus pessimistisches Bild, dass die Gegen-Verfassung gelingen könnte. Das konservative Projekt der Gegen-Verfassung verspricht letztlich eine weiße Homogenität der amerikanischen Bevölkerung, die durch eine hierarchische Struktur regiert wird. Doch es geht damit nicht (nur) um die Verfassung der USA, vielmehr hat sich die Gegen-Verfassung der Konservativen längst die Vereinten Nationen und Europa zum Ziel genommen und schlägt damit in die gleiche Kerbe wie Vladimir Putins Begründung des Angriffskrieges gegen die Ukraine.[9] Er nannte 2022 die „Bedrohung des Westens“ als Kriegsgrund und zielte insbesondere auf die Europäische Union und ihre Verfassungsstruktur.

Europa und eine bislang nicht eingelöste, aber weiterhin diskutierte Europäische Verfassung – „Demokratie braucht Verfassung – Europa auch“[10] – sind das strategische Ziel von Vladimir Putin und Donald Trump. Da der Vertrag über eine Verfassung für Europa von 2004 zwar unterzeichnet wurde, aber völkerrechtlich nicht in Kraft getreten ist. Bleibt der Verfassungsstatus der Europäischen Union schwankend. Ist die EU mit ihren Rechtssystemen deshalb schwach und schon erledigt, wie Donald Trump glauben machen möchte? Gibt es eine Alternative zu den Rechtsnormen der EU, nach denen sich die Mitgliedsstaaten richten sollen. EU-Recht steht über nationalem Recht. Slavoj Žižek fordert in seiner Kolonoskopie gerade wegen Trump mit Hegel einen „higher level“ für die europäische Zivilisation.
„Trump is in some sense right: the European notion of “objective social democracy” (Peter Sloterdijk) effectively reached its limit, there is no way to directly return to it. We are thus confronting a brutal choice: either we simply abandon this dream, leave behind our civilization and enter the Trumpian new barbarism, or we approach the difficult task of sublating the European civilization – sublating in the precise sense of the Hegelian Aufhebung: we leave it behind (“negate” it) and at the same time maintain it by way of elevating it to a different, higher level.”[11]

Der Autor und Essayist Alan Pauls, der seit 2019 in Berlin lebt, fragt sich in seinem Vortrag wie und woran er sich bei dem brutalen Bruch des Militärputsches durch Jorge Rafael Videla in Buenos Aires 1976 erinnern könne. Das Militär um den Generalleutnant Videla putschte sich am 26. März 1976 gegen Isabel Perón einen linken Peronismus an die Macht. Die Militärdiktatur dauerte bis 1983 an. Für den damals sechszehnjährigen Autor geht es in einem Erinnerungstext darum, was er in der Stadt und über die Medien wie Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen wahrnehmen konnte und woran er sich erinnern kann. So ist es denn auch die Stille, an die er sich zuerst erinnert. Die heute im spanischen Exil bei Madrid lebende Ex-Präsidentin Isabel Perón (geb. 1931) nennt er nicht beim Namen in seinem Text. Vielmehr geht es Alan Pauls um eine Form des Verstummens und der Präsenz des Militärs in den Straßen von Buenos Aires. Pauls fragt sich nicht zuletzt, wie weit er sich auf seine Erinnerung verlassen könne.

Die Stille nach dem Militärputsch folgt auf den radikalen Bruch, der eben nicht in Historien aufgeht. Der Militärputsch habe mitten in einer Arbeitswoche stattgefunden und ließ eine Stille, wie an einem Feiertag folgen. In Filmaufnahmen von Associated Press News Archive lässt sich auf YouTube denn auch eine unkommentierte Stille zu Szenen von Soldaten auf einem Armeefahrzeug, einer berittenen Garde, Militärfahrzeugen und einem Panzer vor dem Präsidentenpalast sehen. Panzer sind in den Straßen von Buenos Aires aufgefahren und Putschsoldaten füttern paradoxerweise lächelnd Tauben.[12] Stattdessen habe er eine Atmosphäre der Unterdrückung und Latenz wahrgenommen. Wirken die Staatsstreiche des 20. Jahrhunderts in Argentinien und Südamerika als Trauma nach? In seinem Text schlägt Alan Pauls einen Bogen vom Coup d’État als Trauma zum Staatsstreich durch die demokratische Wahl von Javier Millei zum Präsidenten von Argentinien. Was sich über den Text Pauls‘ hinaus in den „legalen“ Staatsstreichen abzeichnet, ist das Verspechen auf eine imaginäre Homogenität der Bevölkerung und einer Restaurierung der Maskulinität als Begehrtes. Die Kettensäge im Wahlkampf Milleis gegen den Staat, um seine Strukturen abzuholzen, korreliert mit einer Baumarktwerbung, in der (richtige) Männer zur Kettensäge greifen.

Die imaginäre Homogenität eines Volkes bzw. einer Staatsbevölkerung wendet sich gegen eine Heterogenität einer Demokratie, in der Kompromisse geschlossen werden müssen. Wenn man den antidemokratischen Modus des Staatsstreiches auf das Denken des Staatsrechtlers Carl Schmitt zurückführt, wie es kürzlich der Jurist und Bundespräsident a. D. Christian Wulff als Plädoyer für die Heterogenität getan hat[13], dann postuliert der Staatsstreich immer eine Homogenität, die er (wieder)herzustellen beansprucht. Wulff zitiert den das sogenannte Dritte Reich legitimierenden Staatsrechtler Schmitt, weil er als Chefideologe der Trump-Republikaner ebenso wie der AfD und anderer demokratiefeindlicher Parteien in Europa eine gespenstische Auferstehung feiert:
„… Carl Schmitt, der von der MAGA-Bewegung genutzt wird, der von den Ideologen Putins genutzt wird, der von Maximilian Krah von der AfD zitiert wird, hat 1922 gesagt: „Zur Demokratie gehört erstens Homogenität und zweitens die Ausscheidung oder Vernichtung des Heterogenen.““[14]

Die Ausscheidung des Heterogenen überschneidet sich in Carl Schmitts gefährlicher und unter dem Postulat der Demokratie verräterischen Formulierung mit dem Denken eines männlichen (Staats-)Körpers der gereinigt werden muss durch Entleerung. Syntagmatisch lässt sich ein Bogen zu Žižeks „Colonoscopy“ schlagen. Wulffs Rede, die es sich lohnt ohne Paywall im Tagesspiegel nachzulesen, ist schon deshalb bemerkenswert, weil sowohl Friedrich Merz als Parteichef der CDU wie als Bundeskanzler ebenso wie sein Busenfreund Wolfram Weimer als Kulturstaatsminister meinen, sich der „MAGA-Bewegung“ an den Hals schmeißen zu müssen oder wie kürzlich eine Homogenität in der Kultur durch Ausscheidungen von „linken“ Buchhandlungen (wieder)herstellen zu können. Christian Wulffs Plädoyer für Wokeness und Heterogenität ist deshalb hoch relevant. Die Demokratie verteidigt man nicht gegen einen Staatsstreich, indem man in die Kerbe ihrer Feinde haut – und damit als Verleger durch exklusive Clubatmosphäre am Tegernsee reich wird.
Torsten Flüh
Auf YouTube:
Mouhamadou El Hady Ba
Decolonial Coups d’Etat?
mit Joseph Vogl
vom 18. Dezember 2015
Kim Lane Scheppele
Counter-Constitutions: On Being the Object of a Coup
mit Ethel Matala de Mazza
vom 22. Januar 2026
Alan Pauls
The Coup Factor
mit Ulrike Vedder
vom 5. Februar 2026
Christian Wulff:
Ich verstehe nicht, warum nicht alle Menschen sagen, sie sind woke.
Der Tagesspiegel: Gastbeitrag 13. März 2026
[1] Christoph Elzer: „Gesalbter Trump“ und Flehen um göttlichen Beistand: Die USA machen den Iran-Krieg zu ihrem Kreuzzug. In: Frankfurter Rundschau 06.03.2026 20:07.
[2] Siehe: Supreme Court’s Tariff Ruling and Trump’s Immediate New Levies Add New Uncertainty in Global Trade. New York Times Feb. 20, 2026.
[3] Mosse-Lectures: Mouhamadou El Hady Ba: Decolonial Coups d’Etat? 18. Dezember 2025.
[4] Zitiert nach Mouhamadou El Hady Ba in: Mosse-Lectures:Programm WS 2025/26.
[5] Zur Region Fouta siehe auch: Von Katzen, Zebras, Seelen, Securitate und Vampiren. Zu Berlinale Shorts 4 mit Anna Henckel-Donnersmarck in der Urania. In: NIGHT OUT @ BERLIN 21. Februar 2026.
[6] Ebenda.
[7] Slavoj Žižek: THE NEED FOR A COLONOSCOPY OF DONALD TRUMP. NOW FREE: Analyzing assholes is not my favored occupation, especially not Trump’s asshole. In: Žižek Goads and Proads Feb. 11 2026.
[8] Ebenda.
[9] Siehe Torsten Flüh: Das Putin-Rätsel. Zur großen Demonstration „Stoppt den Krieg“ und den dezentralen Protesten. In: NIGHT OUT @ BERLIN 16. März 2022.
[10] JEF NRW: Demokratie braucht Verfassung – Europa auch. In: JEF NRW 24. Februar 2026.
[11] Slavoj Žižek: THE … [wie Anm. 7].
[12] AP Archive: YND 26 3 76 MILITARY COUP TAKES PLACE IN BUENOS AIRES YouTube 24.07.2015.
[13] Christian Wulff: Ich verstehe nicht, warum nicht alle Menschen sagen, sie sind woke. Der Tagesspiegel: Gastbeitrag 13. März 2026.
[14] Ebenda.




















































































































































