Eine Kunst des Eigentums – Zur Mosse-Lecture von Maria Eichhorn und Sabeth Buchmann

Institution – Aktiengesellschaft – Restitution

Eine Kunst des Eigentums

Zur Mosse-Lecture von Maria Eichhorn und Sabeth Buchmann

Maria Eichhorn und Sabeth Buchmann hielten ihre Mosse-Lecture gemeinsam zum Thema: Gemeinschaftliche Kunstpraktiken im öffentlichen Raum: Das >Rose Valland Institut< und andere Projekte. Damit rückten sie vor allem Praktiken in der Kunst, in Eigentumsfragen und Kunstinstitutionen wie Museen und Bibliotheken ins Interesse. Die Künstlerin Maria Eichhorn hat 2017 insbesondere mit ihrem Projekt Rose Valland Institut während der documenta 14 auf die Arbeit mit Bürger*innen aus Kassel und Umgebung gesetzt. Sie suchte und sucht mit einem „Open Call“ nach „Verwaistem Eigentum in Europa“ und macht damit auf „Unrechtmäßige Besitzverhältnisse in Deutschland“ aufmerksam. Dafür ist sie auf Mitarbeit aus der Bevölkerung und von Institutionen wie der Zentral- und Landesbibliothek Berlin angewiesen.

Auf dem Plakat der Mosse-Lectures für das Sommersemester 2019 ist Maria Eichhorns Installation von Büchern auf einem weißen Regal fast in Raumhöhe für die documenta 14 zu sehen. Das Regal ist in der Proportion zur Höhe ziemlich schmal. Im Vergleich mit relativ niedrigen, aber langen Regalreihen in Bibliotheken, wenn man an das Suchen nach Büchern in ihnen gewöhnt ist, wirkt es dysfunktional. Auf den Buchrücken kleben kleine, gelbe Zettel mit Signaturen wie „Cg 1555“, damit die Buchtitel zu finden sind. Wahrscheinlich müsste man feststellen, dass die Bücher nicht nach den Signaturen geordnet sind. Die Bücher stammen den Signaturaufklebern nach aus einer öffentlichen Bibliothek. Das Einzelregal in der Mitte eines Ausstellungsraums stellt die Bücher mit den Signaturen aus, indem sie aus der Bibliothekspraxis isoliert werden. Doch die Präsentation ist nicht nur ästhetisch. Sie ist zugleich politisch.

Elisabeth Wagner (Mosse-Lechtures) erinnerte in ihrer Einführung an die Kunstsammlung Rudolf Mosse, die im neobarocken Palais des Zeitungsverlegers am Leipziger Platz 15 beheimatet war. Sie wurde durch das „Kunst-Auctions-Haus“ Rudolf Lepke aus der nahen Potsdamer Straße 122 in der „Galerie Mosse“ am 29. und 30. Mai 1934 auf Zwang versteigert.[1] Der Katalog mit 325 Losnummern zeigte auf dem Einband die zweistöckige, imposante Fassade des Palais‘. An der Freien Universität forscht die Mosse Art Research Initiative (MARI) nach dem Verbleib der Kunstsammlung und Restitutionsansprüchen. Vom 6. bis 9. Juni findet im Deutschen Historischen Museum die Konferenz Mosses Europa – Neue Perspektiven in der Geschichte der deutschen Juden, des Faschismus und der Sexualität zum 100. Geburtstag des Historikers und Enkels George L. Mosse (1918-1999) statt. Rudolf Mosse war bereits 1920 verstorben. Seine Nachfahren mussten emigrieren.

Maria Einhorns ästhetisch-politische Installation erhält durch eine Reihe von Dokumenten wie dem „Zugangsbuch J“ zur Kunstausstellung documenta eine zusätzliche Rahmung. Das „J“ steht für Juden. Die Bücher stammen aus jüdischen Privatbibliotheken und gelangten 1943 als „kostenlose Übergabe von ca. 40.000 Büchern“ in den Besitz der Berliner Stadtbibliothek.[2] Die fast unvorstellbar große Zahl von 40.000 Büchern korreliert auf einmal mit der dysfunktionalen Höhe des Regals. Doch nicht diese, sondern immerhin noch „1.920 Buchtitel“ wurden nach 1945 in das „Zugangsbuch J“ eingetragen. Sie wurden insofern durch die Zentral- und Landesbibliothek als „NS-Raubgut“ kenntlich gemacht, um zugleich als „Geschenk“ legalisiert zu werden. Das Regal und seine Präsentation situieren sich insofern an der Schnittstelle von Kunst als ästhetisches Projekt, Provenienzforschung, Institutionskritik, Restitutionswunsch wie Restitution als Praxis.

Die im Regal präsentierten Bücher sind allesamt im Zugangsbuch J registriert. Auf eingelegten weißen und grauen Zetteln ist die Zugangsnummer und meist auch die Signatur vermerkt. Die orangenen Zettel markieren diejenigen Bücher, die offensichtliche persönliche Provenienzmerkmale aufweisen.
Zwei Fallbeispiele — Bücher aus dem Besitz von Ludwig Simon und Gertrude Wütow — veranschaulichen die Suche der Zentral- und Landesbibliothek Berlin nach Erb_innen.[3]

Kunstpraxis und Ästhetik sowie Kunsthandel und Praxis der „NS-Raubgut“ stehen für Maria Eichhorn in einem interdisziplinären Kontext. Wie das verbrecherisch erlangte, jüdische Eigentum erworben worden ist, steht mit seiner Präsentation als Installation im Kunstmuseum in einem Kontext. Der unüberschaubaren Masse von 40.000 Büchern und selbst noch die große Zahl der fast zweitausend Buchtitel wird das einzelne Buch gegenübergestellt. Die mikrologische Arbeit bricht die große Zahl als Einzelschicksal und Einzeltat auf. Sie wird ästhetisch präsentiert als „Zugangsbuch J“ und zwei einzelne aufgeschlagene Bücher mit „Widmungen“ oder, eher noch treffender, Zueignungen.    

Gertrude Hirschweh, geb. Wütow
Das Buch William Wordsworth, The Poetical Works of Wordsworth (London [u.a.]: Warne, 1891), ist im Zugangsbuch J unter der Nummer 1261 eingetragen. Es wurde unter der Signatur Cq 1555 in den Bestand der Berliner Stadtbibliothek eingearbeitet. Auf dem Titelblatt findet sich eine Widmung: „Gertrude Wütow from her loving Friends Emily, Edith & [Harry R…] November 1892“.
Das Buch war Teil des Ankaufs aus der Pfandleihanstalt. Außer der Widmung sind im Buch nur Merkmale zu finden, die auf die Berliner Stadtbibliothek und die Zentral- und Landesbibliothek Berlin zurückführbar sind (Signatur, Stempel, Zugangsnummer, „Nicht entleihbar“-Etikett, etc.).[4]

Es ist für die Kunst von Maria Eichhorn wichtig, das Ästhetische über die Interdisziplinarität nicht aus den Augen zu verlieren. Denn in der ästhetischen Präsentation von Masse und Einzelheit wird sichtbar, was mit der großen Zahl und der Institution Zentral- und Landesbibliothek Berlin zum Verschwinden gebracht wurde. Die systematische, rassistische, staatlich sanktionierte Aneignung von Eigentum aus jüdischem Vermögen hat wie im Fall von Artur Lauinger oft widersinnige und verheerende Folgen gehabt. Geradezu euphemistisch „Liquidation jüdischen Vermögens“ genannt, handelte es sich um eines der größten Staatsverbrechen des 20. Jahrhunderts, um das „deutsche Volk“ zu Mittätern zu machen. Wolfgang Lauinger (1918-2017) wurde gleich auf mehrfache Weise in das Verbrechen verstrickt.[5] Soweit die Käufer*innen auf Auktionen nicht selbst wissen wollten, woher die günstigen Bücher, Gemälde, Kunst- und Haushaltsgegenstände stammten, wurden sie wenigstens zu Mittäter*innen gemacht.

Die Identität von Gertrude Wütow ist nicht eindeutig geklärt. Vermutlich handelt es sich um Gertrude Hirschweh geb. Wütow, geboren am 26. März 1874 in Berlin. Dafür spricht, dass das Buch aus einer Berliner Wohnung geraubt wurde und sowohl der Name Gertrude Wütow als auch der Name Gertrude Hirschweh in den gängigen Quellen (in Adressbüchern, in einem Gedenkbuch und in der Gedenkstätte Yad Vashem) nicht nur mehrmals vorkommt, sondern sich immer auf dieselbe Person bezieht.
Gertrude Wütow heiratete am 9. September 1895 den Apothekenbesitzer Hermann Hirschweh (geboren am 16. Juni 1865 in Jedwabno, Ostpreußen). Gertrude und Hermann Hirschweh hatten eine am 11. Juni 1896 geborene Tochter, Hertha Johanna, und vermutlich mindestens ein weiteres Kind, Dorothea Hirschweh Beerman. Gertrude Hirschweh wurde am 13. Januar 1942 ins Ghetto von Riga deportiert; zu ihrem weiteren Schicksal konnten bislang keine Informationen gefunden werden. Auch mögliche Erb_innen konnten bislang nicht ausfindig gemacht werden. [Stand Juni 2017][6]

Die Installation und der „Aufruf“ führten im Dezember 2017 tatsächlich zur Restitution des Buches durch die Zentral- und Landesbibliothek Berlin. Weitere Beispiele konnten mit dem „Open Call“ vom 15. Juni 2017 eingeleitet und realisiert werden. Denn Maria Eichhorn und ihr Rose Valland Institut hatten dazu aufgerufen, „aktiv an der Aufklärung andauernden Unrechts und am Auffinden und Aufdecken der unrechtlichen Besitzverhältnisse mitzuwirken“.[7] Benannt ist das Institut nach der Kunsthistorikerin Rose Valland, „die während der deutschen Besatzungszeit in Paris die Plünderungen der Deutschen in geheim gehaltenen Listen aufzeichnete“. Das Ausmaß der Plünderungen und „Liquidationen“ wird landläufig unterschätzt, während Vererbungsprozesse seit über 70 Jahren häufig die Spuren des „Familienerbes“ verwischt und durch Vergessen legalisiert haben. Doch Restitution ist möglich und notwendig.

Fritz Hirschweh konnte 1938 mit seiner Frau Regina und ihrem einjährigen Sohn Hermann Michael in die USA fliehen. Er verstarb kurz nach der Ankunft im Dezember des gleichen Jahres im Alter von nur 37 Jahren in New York.
Die restituierten Bände stammen aus dem Ankauf 1943, bei dem die BStB ~40.000 Bücher aus den letzten Wohnungen der deportierten Berliner Jüdinnen und Juden von der Berliner Pfandleihanstalt bezog.
Unterstützung bei dieser Rückgabe erhielt die ZLB dankenswerterweise vom Rose Valland Institut in Kassel.[8]

Maria Eichhorn hinterfragt mit ihrer Kunst Eigentum und Eigentumsverhältnisse. So hat sie auf der documenta 11 (2002) eine Aktiengesellschaft gegründet, die sich selbst gehört. Ist das Kunst? Kann Aktienrecht zu Kunst werden? Laut der Handelsregister Karte des Amtsgerichts Charlottenburg besteht der Zweck der „Maria Eichhorn Aktiengesellschaft“ in der „Verwaltung und Erhaltung des eigenen Vermögens, das die Gesellschaft in Form von Einlagen bei ihrer Gründung erhalten hat, unverändert bleiben“.[9] Damit erlaubt das Aktienrecht als Kapitalgesellschaft zur Akkumulation von Vermögen offenbar eine paradoxe Unveränderbarkeit als Zweck, obwohl in Zeiten des Hochfrequenzhandels auf den weitgehend automatisierten und d.h. von den Algorithmen Künstlicher Intelligenz gesteuerten Aktienmärkten der Welt diese auf Gewinnmaximierung programmiert sind.

Wie mit dem Rose Valland Institut so verwendete die Künstlerin mit der Aktiengesellschaft eine große Sorgfalt darauf, der durch Notar, Gründungsurkunde, Satzung, Niederschrift für die erste Sitzung des Aussichtsrats, Handelsregisterakte, Öffentliche Bekanntmachung der Registereintragung etc. hoch institutionalisierten Gründungspraxis einer AG zu entsprechen. Zur Sicherheit der Kapitalabwicklung ist die Gründung einer AG vom Staat besonders stark mit Notar und Handelsgericht am zuständigen Amtsgericht institutionalisiert. Bekanntlich dient die Ausgabe von Aktien dem Kapitalerwerb am freien Markt. Doch Maria Eichhorn hinterfragt derartige Mechanismen, wenn sie als Konkretisierung des Zwecks formulieren lässt, dass „(d)as Vermögen … weder in die gesamtwirtschaftliche Geldzirkulation und Kapitalakkumulation einfließen noch zur Mehrwertschöpfung verwendet werden“ soll.[10]

Sabeth Buchmann sprach in ihrem Teil von der interdisziplinären Institutionskritik, die Maria Eichhorn mit ihren Arbeiten und Praktiken betreibe. Sie nennt ihre Arbeiten ein „topologisches Gewebe“. Denn es ist nicht nur ein Gewebe aus Ausstellungen, Installationen an gleich zwei Orten, Athen und Kassel, während der documenta 14, vielmehr entfaltet sich das Gewebe durch Links und Newsletter ebenso im Internet qua algorithmischen Suchmaschinen. Die „Maria Eichhorn Aktiengesellschaft“ wird mittlerweile mit allen Dokumenten auf der Website der Karlsruher Kanzlei Rechtsanwalt Adam E. Junker im Segment „Aktienrecht und Kunst“ vorgehalten und präsentiert.[11] Das Rose Valland Institut hat seit Oktober 2018 seinen Sitz am Käte Hamburger Kolleg „Recht und Kultur“ der Universität Bonn, womit die Institutionskritik eine akademische Institutionalisierung erfahren hat.

Wertet Maria Eichhorn mit ihrem AG-Kunstprojekt die Institution auf? Und widerspricht die Institutionalisierung des Rose Vallon Instituts über die einmalige Präsentation hinaus auf der documenta 14 nicht einer grundsätzlichen Kritik an Institutionen? Seit 2005, als Sabeth Buchmann bereits Maria Eichhorn zur „zweite(n) Generation institutionskritischer KünstlerInnen“ zählte, befasst sie sich mit „dem Verdacht, Institutionen bzw. institutionsförmige Unternehmen im Sinne neoliberaler Dienstleistungsökonomien affirmiert und aufgewertet zu haben“.[12] Vielleicht lässt sich die Problematik mit dem Fachanwalt für Aktienrecht, der das „Aktienrecht“ mit der „Kunst“ nicht zuletzt aufpeppt, zuspitzen. Die kritisierte Institution der Aktiengesellschaft wird dadurch nur umso interessanter und soll durchaus Mandanten zum Aktienrecht anlocken. Doch Buchmann verweist vor allem auf die „institutionskritische Praxis“, die die Gründung einer Aktiengesellschaft für sich selbst oder auch nichts durch Eichhorn hervortreten ließ.

Die Öffnung institutionskritischer Praxis für eine Analyse und Transparenz einer unvermeidlichen und zweifelsohne von KünstlerInnen begehrten (Selbst-)Institutionalisierung lässt erst jene Strukturen und Mechanismen zu Tage treten, die einer zu allererst ästhetischen Wahrnehmung von Kunstobjekten nicht zugänglich sind.[13]

Der Bildanteil, um es einmal so zu nennen, reduziert sich auf den Bundesadler und Siegel der Urkunden als Schriftstücke. Das Projekt entfaltet sich durch die Bildlichkeit von Dokumenten bzw. Urkunden, so gut wie nur Text enthalten, der wiederum nur streng formalisierte Rechtsschritte ausführt. Im Projekt Rose Vallant Institut gibt es einen höheren Bildanteil durch die Praxis der Installation, die wiederum von Maria Eichhorn fotografiert worden ist. Doch auch hier wird ein „Versteigerungsprotokoll“ zum Bild. Die Institutionskritik situiert sich nicht nur ästhetisch an der Schnittstelle von Bild und Text. Vielmehr kann ein Schriftstück, ein Text z.B. durch Stempel, Siegel und Urkundenband in Schwarz-Rot-Gold in ein Bild des Rechts und der Rechtmäßigkeit umspringen. Oder ein Bild springt in einen beunruhigenden Text um, weil sich mit einem Mal eine ganze Textur über das Bild oder eine „Kristallschale“ legt, so dass es wie Fall des Lehrers im Ruhestand, Klaus Kirdorf, zurückgegeben wird. Das Wissen um die Herkunft der schönen Schale wurde dem ehemaligen Lehrer unerträglich, wie die Süddeutsche Zeitung von dem falschen Erbe berichtete.

Sabeth Buchmann schlug für die erste Generation der Institutionskritik einen Bogen zum Manet-Projekt des „Konzeptkünstlers Hans Haake“ von 1974 im Kölner Wallraf-Richartz-Museum. Haake wollte deutlich machen, dass das Gemälde Spargelbündel von Édouard Manet mit Hilfe der deutschen Wirtschaftselite, die von der „Arisierung jüdischen Eigentums“ massiv profitiert hatte wie Hermann Josef Abs, das Bild aus jüdischem Besitz für das Museum erworben hatte, um eine Sammlungslücke der Impressionisten zu schließen. Haakes institutionskritische Provenienz-Dokumentation wurde mit dem Hinweis auf „Sicherheitsbedenken“ verhindert.[14] Hermann Josef Abs, der erst 1994 im Alter von 92 Jahren verstarb, hatte nicht zuletzt als Vorstand der Deutschen Bank die „Arisierung“ jüdischen Eigentums organisiert und sich dadurch bereichert. Als Kuratoriumsvorsitzender des Museums zeigte Abs ein vitales Interesse daran, die politischen Verflechtungen des Bildes zu verhindern.

Die Verstrickung deutscher Kunstinstitutionen in eine heillose Erinnerungskultur hat nach Buchmann auch Aleida Assmann zum Thema gemacht. Nicht allein Hans Haakes Manifest „Kunst bleibt Politik“ gibt einen Wink auf das Politische der Kunst, wie es quasi auf der anderen Seite mit dem bildgewordenen Antisemitismus Emil Noldes erst jetzt im Hamburger Bahnhof schmerzhaft sichtbar wird.[15] Vielmehr geht es um eine Erinnerungskultur, die systematisch und institutionell verhindert worden ist. Deshalb lässt sich Maria Eichhorns „Open Call“ mit dem Rose Valland Institut nicht einfach als „neoliberal“ abtun. Das erinnerte Eigentum sollte vielmehr in vielen Fällen genau bedacht und zur Erforschung bereitgestellt werden.   

Folgende Fragen können hierbei für die Provenienzforschung von Relevanz sein:
– Aufgrund welcher Erinnerungen, Hinweise, Kenntnisse, Erzählungen, Überlieferungen, Dokumente wie Fotografien oder Briefe oder anderer schriftlicher und mündlicher Zeugnisse wurde der betreffende Gegenstand als NS-Raubgut identifiziert?
– Welche Dokumente, Unterlagen und andere Beweismittel unterstützen den Verdacht beziehungsweise die Vermutung?
– Wer ist im Besitz solcher Unterlagen und Zeugnisse beziehungsweise wo befinden sich diese?
– Sind Sie bereit, Ihre Kenntnisse und Informationen zu veröffentlichen?
– Haben Sie sich bemüht, Berechtigte zu finden? Konnten Sie berechtigte Eigentümer_innen oder Erb_innen ausfindig machen? Falls Sie sich bemüht haben, wie sind Sie dabei vorgegangen?
– Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu dem betreffenden Gegenstand beschreiben?
– Kennen Sie die historischen Zusammenhänge und Hintergründe, die dazu geführt haben, dass der Gegenstand heute in Ihrem Besitz ist?
– Sehen Sie das Objekt / den Gegenstand als Zeugen dieser Zusammenhänge?
– Sind Sie bereit, diese Zeugenhaftigkeit in einen öffentlichen Diskurs zu geben?[16]

Institutionen verwalten nicht nur Erinnerungen in Form von Museen, Archiven, Instituten an Universitäten oder anderen Einrichtungen, sie formen und bestimmen diese auch, wie sich nicht zuletzt mit der notwendigen Aufarbeitung der ethnologischen Bestände in der Ausstellung UNVERGLEICHLICH mit afrikanischer Kunst im Bode-Museum zeigt, die bis zum 24.11.2019 verlängert worden ist. Die Erinnerung wurde in den afrikanischen Herkunftsregionen gleichsam ausgelöscht. Doch es kommt heute mit dem Internet und dem Medium Blog zugleich eine durchlässigere Institutionalisierung zum Zuge. Weil es sich um einen sensiblen Bereich der Erinnerung und des Eigentums handelt, verzichtet Maria Eichhorn in ihrem internetbasierten Institut auch auf einen Blog.

Torsten Flüh  

Nächste Mosse-Lecture:
Juliane Rebentisch
Ausstellung des Politischen in der Kunst
Donnerstag 13. Juni 2019, 19 Uhr c.t.
Senatssaal, Unter den Linden 6.    


[1] Vgl. Michael Bienert, Elke Linda Buchholz: Die Kunstsammlung Rudolf Mosse. In: Elisabeth Wagner (Hg.): Mosse Almanach 2017. Berlin: Vorwerk 8, 2017, S. 170-190.

[2] Siehe Eva Eichhorn: Rose Valland Institut: Bücher: Zugangsbuch J. (Rose Valland Institut)

[3] Ebenda.

[4] Ebenda.

[5] Vgl. Torsten Flüh: Fatale Selbstversicherung. Zu Lauingers – Eine Familiengeschichte aus Deutschland von Bettina Leder. In: NIGHT OUT @ BERLIN April 23, 2015 19:27.

[6] Eva Eichhorn: Rose … [wie Anm. 2]

[7] Ebenda Aufruf.

[8] Zentral- und Landesbibliothek Berlin: Provenienzforschung: Gertrude Hirschweh.

[9] Rechtanwalt Adam E. Junker: Dokumente: Gründungsurkunde.

[10] Ebenda: Handelsregisterakte.

[11] Ebenda: Maria Eichhorn AG.

[12] Sabeth Buchmann: Kritik der Institutionen und/oder Institutionskritik? (Neu-)Betrachtung eines historischen Dilemmas. In: IG Bildende Kunst: Bildpunkt: Orte der Kritik 2006.

[13] Ebenda.

[14] Vgl. Friederike Biebl: Das Museum und seine privaten Förderer (1). Die Zurückweisung eines Ausstellungsbeitrags von Hans Haacke 1974. In: Hypotheses. Veröffentlicht am 13.03.2017.

[15] Siehe Torsten Flüh: Der Künstler als Legende. Zu den Ausstellungen Bruce Sargeant in The Ballery und Emil Nolde – Eine deutsche Legende im Hamburger Bahnhof. In: NIGHT OUT @ BERLIN. Veröffentlicht am 20. April 2019.

[16] Maria Eichhorn: Rose … [wie Anm. 2] Open Call.

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