Rettung aus unlösbaren Konflikten?

Salon – Wissenschaft – Politik

Rettung aus unlösbaren Konflikten?

Zum Salon Sophie Charlotte in der BBAW zum Thema Konflikte – lösen!

Es ist noch gar nicht so lange her, dass es Akademiker*innen und Akademiemitgliedern aufgestoßen wäre, dass der Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland, Boris Pistorius, in einem Gespräch prominent den Salon Sophie Charlotte thematisch eröffnet. Im Januar 2026 jedoch hängen im Leibniz-Saal und den Gängen im 1. Stock der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften Dutzende großformatige Fotografien der Starfotografin Herlinde Koelbl vom Verteidigungsminister. Um 19:00 Uhr kam der Kunsthistoriker, das Akademiemitglied Horst Bredekamp zur Eröffnung der Ausstellung Boris Pistorius. Aufbruch mit dem Portraitierten ins Gespräch. Der größte Saal der Akademie war frühzeitig derart überfüllt, dass die Türen bereits um 18:15 Uhr verschlossen blieben.

.

Um 20:00 Uhr stellte Anita Traninger als Gastgeberin im Leibniz-Saal die Frage Sind wir noch zu retten? an Sandra Kegel und Patrick Cramer, dem Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, vor dem Hintergrund der Trump II Administration und der Tatsache, dass er am 5. September 2025 das United States Department of Defense – DoD – in United States Department of War – DoW –, Krieg statt Verteidigung, umbenannt hat und die Spitzenuniversitäten mit Mittelkürzungen zu einer „gottgewollten“ Wissenschaft erpresst. Langsam dämmert es, um es einmal inkorrekt zu formulieren, dem letzten Dorftrottel, dass der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten einen Feldzug gegen Wissenschaft und Friedensordnung vom Zaun gebrochen hat, um durch Deals lukrativ in die eigene Tasche zu herrschen. Dass JD Vance die 4. Schwangerschaft seiner Frau angekündigt hat, ist keine Meldung mehr für die Yellow Pages, sondern Kulturkampf in den USA. Usha Vance ist die erste Ehefrau eines Vice President, die während seiner Amtszeit ein Kind erwartet, weiß die KI.

.

Just nach der ersten, fehlgelaufenen Vereidigung von Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten am 20. Januar 2017 besuchte Angela Merkel am Samstag, den 21., mit größtmöglicher Unaufgeregtheit als Kanzlerin den Salon Sophie Charlotte zum Thema Rebellionen, Revolutionen oder Reformen? und setzte sich mit Herrn Sauer in die vorderste Reihe, um einem Gespräch über Richard Wagners Opern und der Revolution zu folgen.[1] Weil sich der Berichterstatter ein wenig verspätet hatte, „rannte“ er zuvor am Eingang in die Gruppe von Personenschützern mit der Kanzlerin hinein, nickte kurz in ihre Richtung und ging den Gang weiter. Sie war und ist dort kein Mitglied, aber sie hatte als Physikerin in der Akademie gearbeitet. Ebenso sah der Berichterstatter sie auf weiteren Salons der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften als Gast, was zwischenzeitlich an Aussagekraft gewonnen hat. Nun also Herlinde Koelbl mit Boris Pistorius im Leibniz-Saal und auf den Gängen.

.

Der Salon Sophie Charlotte teilt sich in viele kleinere und größere Salons, die in verschiedenen Räumen vom Leibniz-Saal im 1. OG bis in den Einstein-Saal im 5. OG Gespräche anbieten. Gespräche sind keine Vorträge, obwohl an ihnen meistens wissenschaftlich hochkarätige Gesprächsteilnehmer*innen beteiligt sind. Gespräche sind flüchtig. Doch die im Leibniz- und im Einstein-Saal werden aufgezeichnet oder live auf ALEX übertragen. Zur 26er Ausgabe sind noch keine Videos und Bilder auf der Website zu finden. Die Besucher*innen stehen Schlange vor dem Eingang. Ein öffentliches Event. Niedrigschwellig, alle sind eingeladen, aber die Bereitschaft zum Zuhören sollte vorhanden sein. Über Zustrom und öffentliches Interesse kann sich die Akademie nicht beklagen. An mehreren Orten gibt es Getränke und z.B. eine gediegene Boulette mit Kartoffelsalat, aber auch Couscous. Der Besuch von vier Salons um 19:00, 20:00, 21:00 und 22:00 Uhr erfordert ein gewisses Auswahlgeschick. Zwischendrin können dann für 15 Minuten Installationen, Ausstellungen und Performances besucht werden.

.

Noch vor dem Grönland-Konflikt gab es eine Vielzahl von Konflikten, auf die sich aus mancherlei Perspektiven blicken ließ. Nicht zuletzt lud das Zentrum für digitale Lexikographie der deutschen Sprache (ZDL), das das Digitale Wörterbuch der Deutschen Sprache (DWDS) im Netz betreibt, um 21:00 Uhr zu Wortkonkurrenten, Wortkonflikte und ihre empirische Messung im Wortprofil ein. Die Gleichzeitigkeit zahlreicher Gespräche führt zu Interessenkonflikten. Während der Leibniz-Saal überfüllt war, lud Birgit Emich u.a. als Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats der Gerda Henkel Stiftung im Einstein-Saal zum salonartigen Gerda Henkel Forum unter dem Titel Repräsentieren, Streiten, Verhandeln – Szenarien des Konflikts zum Eröffnungsgespräch mit Astrid Séville, Julian Müller und Christian Kirchmeier unter der Moderation von Hannah Bethge. Im Gespräch ging es um die Frage Wie präsentieren sich die Repräsentanten? – Neue Formen der politischen Ansprache und Fürsprache.

.

Die Frage nach dem Repräsentieren einerseits in der Politikform der Demokratie und andererseits als Politiker*in in sich permanent beschleunigenden digitalen Medien hat die drei Professor*innen aus Lüneburg, Hamburg und Bremen zusammengeführt. Die Politikwissenschaftlerin Astrid Séville, der Soziologe Julian Müller und der Literaturwissenschaftler Christian Kirchmeier arbeiten zusammen in dem interdisziplinären Projekt Re/Präsentation. Neue Formen der politischen Ansprache und Fürsprache in der kommenden Gesellschaft, das seit März 2021 läuft. Deshalb konnten sie über aktuelle Ergebnisse ihrer Forschung zum Wandel der demokratischen Gesellschaft mit Hannah Bethge sprechen. Was ist eigentlich die für die Demokratie so wichtige „Re/Präsentation“, wie die Forscher*innen es in ihrem Projekttitel schreiben? Christian Kirchmeier nennt als Literaturwissenschaftler das Repräsentieren „eine schizophrene Situation“, weil der Politiker in der parlamentarischen Demokratie etwas für jemanden anderes vertreten und artikulieren müsse.

.

Kirchmeier hatte in einem Interview mit dem Wissenschaftsportal L.I.S.A. über sein Buch Parabasis. Literarische Wirklichkeit im Zeitalter der Repräsentation über politische Redeweisen und ihre aktuellen Veränderungen gesprochen.[2] Im Interview benutzt Kirchmeier den Begriff des Schizophrenen nicht. Doch im Gespräch spitzt er die Repräsentation auf eine „Bewusstseinsspaltung“ durch die Rede zu.[3] Denn es gebe „zwei gänzlich verschiedene „politische Redeweisen“ (…), die sich einer Rhetorik der Fürsprache und einer anderen der Ansprache verdanken“. Das „Sprechen für einen anderen“, nennt er Fürsprache und unterscheidet davon die Ansprache.
„Die Rhetorik der Fürsprache, (…), entstammt der mimetischen Logik der Rolle. Die Rhetorik der Ansprache aber, die Direktadressierung des Publikums, folgt der parabatischen Logik des Rollenbruchs. Es sind Momente, in denen eine Amtsperson gewissermaßen mit dem Gestus auftritt: „So, jetzt ist einmal Schluss mit dem Politikergerede, jetzt ist Klartext angesagt.““[4]

.

Im Gespräch über die Repräsentation in der parlamentarischen Demokratie streiften die Beteiligten nur Wolfgang Schäubles Diktum als Alterspräsident des 20. Deutschen Bundestages am 26. Oktober 2021, dass er „nie ein exaktes Spiegelbild der Bevölkerung sein“ werde.[5] Doch an dieser Stelle darf die Knappheit des Zitats im Gespräch als Problem der parlamentarischen Demokratie erweitert werden, weil Schäuble die Frage der Repräsentation damals prägnant zur Aufgabe des Parlaments wendete. Vorwegnehmend heißt das politologisch bei bereits erstarkender, demokratieskeptischer AfD fast euphemistisch, dass Schäuble die Repräsentation von der Funktion des Parlamentes her definierte.
„Wer Repräsentation mit Repräsentativität gleichsetzt, wird eine Fülle eklatanter Abweichungen finden: in beruflicher, in regionaler, in kultureller oder religiöser Hinsicht. Und er leistet dem irrigen Verständnis Vorschub, dass gesellschaftliche Gruppen nur durch ihre eigenen Angehörigen vertreten werden könnten. Bei wem fangen wir an? Wo endet das? Ein Parlament, das zwar die Vielfalt abbildet, aber darüber keine Mehrheiten schaffen kann, ist kein Parlament!“[6]

.

Schäuble sprach als Amtsträger in der Funktion des Alterspräsidenten, der ein beträchtliches Erfahrungswissen formulierte, das nicht nur von der AfD und ihren Wähler*innen aggressiv in Frage gestellt wurde und wird. Das parabatische Sprechen gehört geradezu zum Programm AfD. Doch gerade in der Funktion des Alterspräsidenten zeigt sich der normative Unterschied, ob der Repräsentant als Mensch oder als Amtsträger spricht. Die Krise der Repräsentation wird darin hörbar, dass Schäuble in seiner Rede unter dem Aspekt der Parteiendemokratie vor allem die Funktionalität des Parlaments gegen die Vielfalt auch und gerade derjenigen einschränkt, die aus den Reihen der AfD gegen Vielfalt nicht nur des Parlamentes, sondern der deutschen Kultur Politik machen. Kulturpolitischen verfolgen MAGA wie AfD eine rassistische Homogenisierung der amerikanischen bzw. deutschen Kultur. Die Instagram-Profile der Politiker*innen müssen heute im Zugzwang der Medien den Menschen darstellen. Das Private wird politisch in der Weise, dass über die (vermeintlich) menschliche Nähe Sympathien als Wählerstimmen generiert werden. Gegenüber der Argumentationsweise von Wolfgang Schäuble hat sich durch Instagram, TikTok, TruthSocial, X, Facebook etc. das Private als Politisches rasend schnell etabliert.

.

Die Medien sind nicht mehr die Medien in ihrer Technizität, vielmehr sind sie Plattformen der politischen Anschauung. Angeschaut werden Politiker als Menschen in einer Flut von sich wiederholenden Live-Schnipseln. Donald Trumps Truth Social, verbreitet nicht nur selbstgenerierte Lügen, sondern bietet nach eigenem Lableing „America’s „Big Tent“ social media“. Im „Big Tent“, großen Zelt, wird es mit „Truths“ und „Retruths“ so richtig gemütlich. Denn Truth Social generiert eigene Wahrheiten, in denen alle alles glauben dürfen, aber keine wissenschaftlichen Ergebnisse. Sollte man auf Truth Social wissenschaftliche Erkenntnisse „truthen“, wird man damit rechnen müssen, massiv „retruthed“ zu werden. TikTok macht in seinen Schleifen ganz persönlich Deinen Tag unter dem Make your Day-Lable. Instagram verspricht mit dem streng formatierten „Share what you’re into“ Teilhabe an der Bremsspur in der Unterhose. Facebook ist so alt, dass es keine dieser Versprechen, sondern nur ein Teilen unter dem Bombardement von KI-generierten Reels und Werbung propagiert. Teilen ist politisch und sich im Zelt zu verkriechen auch. TikTok-Videos stellen keine Kausalitäten her, sondern einen ständigen halluzinogenen Datenstrom zum Einkuscheln oder zur Dauererregung. Halluzinationen werden Anschauungen.

.

Was passiert mit den Wählern? Wie lassen sie sich in den Algorithmen der Plattformen gewinnen? Oder geht es nur noch um das Smartphone als Parabasis? Die Forscher*innen sehen das Smartphone als entscheidende Schnittstelle, durch die das Private bereits zum Politischen geworden ist. Jeder klebt an seinem Smartphone. Der Wähler ist am Smartphone. Die Wahl entscheidet sich an ihm. Vom Aufstehen bis zum Zubettgehen ist das Smartphone zur Schnittstelle der medialen Erreichbarkeit geworden. Die Beziehung mit dem Smartphone stellt Beziehungen mit den Mensch-Politiker*innen her, was nicht zuletzt Wählerstimmen und Parteimitglieder generiert. Die Wahlentscheidung wird zur Frage der Summe von Inszenierungspraktiken, bei denen sich Zohran Mamdani auf dem Weg zum Bürgermeister von New York besonders geschickt anstellte, wie Séville, Müller und Kirchmeier herausgefunden haben. Während er im weißen Hemd mit Krawatte und im Mantel auf Instagram in Smartphone-Untersicht very casual aus einem Pappbecher Chili in seiner Kampagne aß – „Friends, it’s chili in here …“ –, wurde New York nicht nur demokratisch, sondern der „Democrat socialist“ holte die größte Stadt der USA mit dem Budget eines Staatshaushaltes.

.

Die neuen Formen der Ansprache – „Friends, …“ – von Smartphone zu Smartphone via Instagram stehen für einen Strukturwandel im politischen Sprechen. Derartige Inszenierungspraktiken mobilisieren heute Wähler*innen, die zu politischen Bewegungen werden. Die politische Kommunikation hat sich verändert und transformiert sich weiter. Vom Salon im Einstein-Saal lässt sich ein Bogen in den Leibniz-Saal um 20:00 Uhr schlagen, wo Sandra Kegel als Thomas Mann Fellow 2025 davon berichtet, dass in den USA 70 Millionen Menschen keinen Zugang mehr zu unabhängigen Medien (in Form von Papierzeitungen) haben. Denn sie ist Ressortleiterin der FAZ und hat in den USA danach geforscht, wie sich Menschen informieren, wenn es keinen unabhängigen Journalismus mehr gibt. Sie erinnerte an den Ausspruch von Thomas Jefferson, der gesagt habe, dass es ohne Journalismus nicht gehe, sonst würden Politiker zu Wölfen. Ganz so hat es Jefferson wahrscheinlich nicht formuliert, aber mit den Wölfen knüpft Kegel an Thomas Hobbes De Cive von 1642 und der Formulierung homo homini lupus, der Mensch ist dem Menschen ein Wolf, an.

.

Tatsächlich hat Thomas Jefferson dem Journalismus in der weitaus dehnbareren Constitution als dem Grundgesetz in Briefen eine entscheidende Rolle für die Demokratie beigemessen. Nicht zuletzt im Kontext der verbalen Angriffe auf einzelne Journalist*innen durch Donald Trump und seine Pressesprecherin Karoline Leavitt werden Journalist*innen und z.B. die Sängerin Cher einzuschüchtern versucht. Aktuelles Beispiel ist die durch die Regierung motivierte Verhaftung des Journalisten Don Lemon.[7] Die Einschüchterungsversuche gehen weit über eine Debatte hinaus bzw. zielen unter die Gürtellinie und kommen der Zensur gleich. Dabei lässt sich und wird beispielsweise durch die Library of Congress, The Online Library of Liberty und den Daily Blog des National Constitution Center[8] an Thomas Jeffersons Briefe erinnert. Denn es sind Versuche der Zensur, wenn Zeitungen oder Medien mit Milliarden-Klagen überzogen werden:
“The people are the only censors of their governors: and even their errors will tend to keep these to the true principles of their institution. To punish these errors too severely would be to suppress the only safeguard of the public liberty. The way to prevent these irregular interpositions of the people is to give them full information of their affairs thro’ the channel of the public papers, & to contrive that those papers should penetrate the whole mass of the people.”[9]

.

1787 spielten Zeitungen und Zensur eine andere Rolle als 2026 schon wegen der digitalen Medien und des Internets. Deshalb ist Sandra Kegels Bonmots als Feuilletonchefin vielleicht nicht ganz authentisch, aber zutreffend. Für die politische Meinungsbildung in der Demokratie und „the public liberty“ sind Zeitungen inklusive derer Redakteure existentiell. Jefferson geht in seinem Brief soweit, dass er sich Zeitungen ohne Regierung, aber keine Regierung ohne Zeitungen vorstellen könne. Zeitungen ohne Regierung wären dann so etwas wie Blogs im Internet, vielleicht gar Social Media, aber eine Regierung ohne Zeitungen wäre eben eine Diktatur durch Zensur. Um 1800 war indessen die Mehrheit der Bevölkerung wegen des Analphabetismus nicht in der Lage, Zeitungen zu lesen. Allerdings ergibt sich daraus ein Wink auf die Verfassung der USA und ihre Verknüpfung mit zeitgenössischen Medien wie auch die Politikform der Demokratie.
“The basis of our governments being the opinion of the people, the very first object should be to keep that right; and were it left to me to decide whether we should have a government without newspapers or newspapers without a government, I should not hesitate a moment to prefer the latter. But I should mean that every man should receive those papers & be capable of reading them.”[10]

.

Zu den Stärken der Wissenschaftler*innen und Forscher*innen gehört es sicher, dass ihr Auftrag darin besteht, Antworten auf und Lösungen für Krisen zu finden. Deshalb waren die optimistischen Schlusseinschätzungen von Sandra Kegel und Patrick Cramer auf die Frage, ob wir noch zu retten sind, wenig überraschend. Doch die amerikanischen Kolleg*innen sind bereits eingeschüchtert und bleiben in ihren Wohnungen, um zu debattieren und zu forschen oder Kontakt mit deutschen Kollegen aufzunehmen. ICE hat für eine große Verunsicherung gesorgt. Doch der große Exodus von Wissenschaftler*innen nach Deutschland findet bislang nicht statt. Eher wünschen sich die amerikanischen Kolleg*innen Unterstützung aus Deutschland und von der Europäischen Union.

.

Die Trump II Administration ist auf die Zerstörung demokratischer Strukturen und Institutionen wie Universitäten programmatisch ausgerichtet. Cramer kommt angesichts der Ereignisse in den Staaten zu dem Schluss, dass man ganz schnell viel kaputt machen kann, wenn man z.B. in Deutschland Kampagnen gegen den Rundfunkbeitrag fährt. Rundfunkbeiträge? Ja, sie finanzieren demokratische Plattformen der Meinungsvielfalt, die sich heute von Hasskommentaren schützen müssen. In der Truth-Welt wird der Hass kultiviert, um andere Meinungen zum Schweigen zu bringen. Es ginge nicht zuletzt um eine Aufmerksamkeitskonkurrenz, die zu Schäden führe. Stattdessen erwartet der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft mehr Aktivitäten aus der deutschen Gesellschaft für die Gesellschaft. Weil alle mit Europa sprechen wollen, sieht er einen Aufstieg Europas. Denn in der Wissenschaft lässt man es sich nicht verbieten mit den Chinesen zusammenzuarbeiten.

.

Aus dem Selbstverständnis der Wissenschaften in der Moderne heraus gibt es keine unlösbaren Konflikte. Wissenschaft hasst nicht zurück, sondern analysiert, wie sich dem Hass begegnen lässt. Trump und Leavitte kultivieren die Hassrede im Weißen Haus, um Grenzen zu verwischen. Das könnte so etwas wie das Credo des Salons Sophie Charlotte als temporärer Gesprächsraum der Wissenschaften sein, der von den künstlerischen Inventionen z.B. des Schriftkünstlers Axel Malik gestützt wird. Denn er schreibt in unlesbaren Zeichen, die sich ständig verändern und kaum wiederholen. Doch Zeichen sind an die Wiederholung und Wiederholbarkeit geknüpft, um gebraucht und gelesen werden zu können. Malik bezeichnet sein Schreibprojekt als skripturale Methode. Angefangen zunächst beim Tagebuchschreiben, wird die Schrift als eine Verzeitlichung praktiziert. Die Tagebücher entstehen aus einer Aktivität in der Zeit und Transformieren sie zu einer Spur des gelebten Lebens. Auf den Glasscheiben einiger Akademietüren hat Axel Malik seine Schriftkunst ausgeführt. Seine Schriftkunst fasziniert und bleibt einem Wissen unzugänglich.

.

Doch es ist nicht nur die Schriftkunst, die Malik ohne Sinn praktiziert, vielmehr noch im Paternoster führen die Mitglieder des Young Network TransEurope (NYT) am und im Paternoster eine Literary Loop: 15 Seconds of Poetry auf.

.

Der Paternoster wird zur Wiederholungsschleife, die sich immer auch verändert. Eine Tüte mit Champignons, Einweggläser mit einer Flüssigkeit, ein gelber Vogel in einem Käfig fahren wie im Film vorbei. 15 Sekunden Poesie: … auch nicht um den Kollektivgeist, nicht mal um die Pumpenfabrik, obwohl das nicht unwichtig war. Wir werden groß und schießen sozusagen ins Kraut, und was sagen wir unseren Kindern, wie können wir ihnen in die Augen sehen? Es gibt ein .. We dachten gewoon: kijk strats komt onze oogst op en groeien onze … los argumentos … In 5 Sprachen wird im NYT gesprochen. Denn sie hatten in der Akademie an Reclaiming Transnationalism: A Seminar Series on Cross-Border Solidarities, Conflicts, and Cultural Imaginaries teilgenommen.

Torsten Flüh  


[1] Siehe Torsten Flüh: Salon in revolutionären Zeiten. Rebellionen, Revolutionen oder Reformen im Salon Sophie Charlotte in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. In: NIGHT OUT @ BERLIN 26. Januar 2017.
Siehe auch Torsten Flüh: Vom Verpassen der Welt. Zum Salon Sophie Charlotte 2020 der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften mit dem Thema Weltbilder. In: NIGHT OUT @ BERLIN 12. Februar 2020.

[2] Georgios Chatzoudis: „Die Illusion uninszenierter Authentizität“. Interview mit Christian Kirchmeier über Parabasis und Mimesis auf der Bühne. In: L.I.S.A. 02.09.2025.

[3] Die „Bewusstseinsspaltung“ wird von Kirchmeier durch seinen Gebrauch leicht verschoben, weil er sie auf die grammatische Redeweise bezieht und nicht auf einen klinischen Geisteszustand anwendet. Es geht um die Spaltung durch das Sprechen für einen anderen. Siehe: DWDS.

[4] Georgios Chatzoudis: „Die … [wie Anm. 2].

[5] Parlament: Ansprache von Dr. Wolfgang Schäuble als Alterspräsident bei der konstituierenden Sitzung des 20. Deutschen Bundestages. 26. Oktober 2021.

[6] Ebenda.

[7] Siehe: Spiegel: Ex-CNN-Journalist Don Lemon festgenommen. Der Spiegel: 30.01.2026, 17:36.

[8] Siehe z.B. NCC Staff: A quick look at Thomas Jefferson’s constitutional legacy. National Constitution Center November 24, 2015.

[9] The Online Library of Liberty: Quote: Jefferson’s preference for “newspapers without government” over “government without newspapers” (1787) (Library)

[10] Ebenda.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert